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  • linda

Die Rolle der Geburtsgefährten



Immer wieder stolpere ich über kritische, ironische oder ärgerliche Texte über Hypnobirthing.

Mal von Schwangeren, die das alles als Eso-Hokuspokus abtun und sehr oft aber auch von Fachpersonal aus der Geburtshilfe.

Die Kritik, die ich dann mehrheitlich lese, bezieht sich auf Heilsversprechen rund um Schmerzfreiheit.

Und ich verstehe das (hier habe ich mich dazu schon geäußert).

Doch oft wird Hypnobirthing dann genau darauf reduziert und das wiederum ärgert mich. Daher möchte ich hier einen Part von Hypnobirthing mal etwas genauer erläutern, der – meiner Meinung nach – völlig unterschätzt wird und viel zu oft unerwähnt bleibt.

Es geht um die Rolle des Geburtsgefährten/der Geburtsgefährtin.

Meine Kurse sind – wie alle Kurse, die nach HBGE (Hypnobirthing Gesellschaft Europa) laufen – auf Paare ausgelegt. Das heißt, es nimmt die schwangere Frau teil und eine weitere Person, oftmals jene, die zur Geburt dabei sein wird. Ob das Ehefrau, Freundin, Mann, bester Freund, Oma, Tante oder Schwester ist, ist ganz egal. Diese Person wird im Hypnobirthing Geburtsgefährte genannt und spielt eine sehr wichtige Rolle.

Zu Recht!

Das Thema Geburtstraumata bekommt ja – zum Glück – langsam mehr Boden, mehr Öffentlichkeit und das ist gut und wichtig. An dieser Stelle geht es um die Frauen, die diesen Raum auch ganz dringend brauchen. Doch wenn eine Geburt, aus welchen Gründen auch immer, so verlief, dass sie für die Mutter traumatisch war, was ist dann mit dem Vater? Ich habe schon von so vielen Vätern* nach der Geburt gehört „ich stand daneben und ich wusste nicht, was ich tun sollte“. Von Ohnmacht und Angst, wie schlimm es war, die Frau leiden zu sehen, ohne etwas tun zu können.

Unter anderem daher finde ich es so wichtig, die Rolle derer, die zur Geburt begleiten, zu stärken.

Der andere Grund ist, dass sich manch ein Geburtsverlauf durch einen starken Geburtsgefährten sicherer gestalten lässt.

Aber zurück zum Anfang....

Anwalt und Diener oder eben Anwältin und Dienerin – das sind die Worte, mit denen ich diese Rolle gern umschreibe.

Die Person, die zur Geburt begleitet, lernt im Kurs, was ihre/seine Rolle beinhaltet.

Und das wäre: neben den „dienlichen Anteilen“ wie beispielsweise etwas zu trinken anreichen, eine Massage oder das Stützen und Halten in bestimmten Positionen eben auch der „anwaltliche Anteil“.

Dazu gehört es, den Raum zu halten. Das heißt, Gespräche mit geburtshilflichem Personal im Sinne der Gebärenden zu führen. Der Anwalt/die Anwältin weiß um die Wünsche der Schwangeren und tut diese gegebenenfalls ihrerstatt kund. Dabei geht es nicht um Unmündigkeit der Gebärenden, keinesfalls, sondern darum, dass sie, wenn es ihr gelungen ist abzutauchen, sich zurückzuziehen in ihre Geburtsarbeit, genau da bleiben kann statt durch Fragen dort herausgerissen zu werden.

Auch ein eventuelles Eingreifen seitens Ärztinnen oder Hebammen, wird erst einmal abgefangen. Es wird nachgefragt, es wird auf im Vorfeld besprochene Wünsche und Abmachungen hingewiesen, es wird eine eventuell ablaufende Routine unterbrochen.

Die werdende Mutter bespricht im Vorfeld mit der geburtsbegleitenden Person ihre Wünsche, Vorlieben, aber auch Ängste. Das erlaubt ihr im besten Fall, diese Kontrolle abzugeben, in dem Wissen, das jemand für sie einsteht und den Raum hält, in dem sie sich ganz der Geburt hingeben kann. Und das ist ein so wichtiger Punkt.

Der Geburtsgefährtin oder dem Geburtsgefährten geben diese Absprachen Sicherheit. Er oder sie weiß, dass es etwas gibt, das er oder sie tun kann, darf, sollte. Und auch das ist ein so wichtiger Punkt – der der schon so oft gehörten Ohnmacht entgegenwirken kann.


Das alles zählt im Übrigen genau so auch, wenn es um eine Bauchgeburt, einen Kaiserschnitt geht. Ob geplant oder im Geburtsverlauf dorthin entwickelt – auch in diesem Fall darf jemand anders aktiv unterstützen, Hilfe sein und genau darauf auch vorbereitet sein.


*an dieser Stelle schreibe ich von „Vätern“, weil ich dies tatsächlich bisher nur von Vätern gehört habe. Insgesamt ist es mir wichtig, alle mitzunehmen und auch meine Kurse sind explizit für alle geöffnet.

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