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  • linda

Die äußere Form

Ich glaube, in meinen Yogastunden wiederhole ich mich recht häufig.

Es gibt Sätze, die ich wieder und immer wieder sage, weil ich denke, dass sie wichtig sind. Ich erlebe es selbst, wenn ich angeleitet praktiziere, dass, auch wenn ich einen Satz zum fünften Mal höre, er immer wieder neu, anders oder tiefer ankommt.

Wenn ich zum Beispiel beim Yin Yoga in einer Asana zum wiederholten Male höre lass los, dann kann ich beim genauen Nachspüren tatsächlich bei jeder Wiederholung noch einen Bereich finden, den ich loslassen kann. Wieder und immer wieder.


Einer der Sätze, der allen, die aktuell meine Stunden besuchen, bekannt vorkommen dürfte, ist – neben spür nach– wohl dieser Es kommt nicht auf die äußere Form an.


Und hier bitte nicht falsch verstehen – ich finde eine genaue Ausrichtung, die ja letztlich auch irgendwie zu einer bestimmten äußeren Form führt, sehr wichtig, um zum Beispiel Verletzungen zu vermeiden. Was ich aber meine ist, dass ich es wichtig finde, das eigene Maß zu finden. Durch Nachspüren und nicht durch den Wunsch, eine bestimmte äußere Form zu erreichen, so weit in der jeweiligen Asana anzukommen, wie es richtig ist.

Wie es eben individuell richtig ist. Denn jeder Tag ist anders – an einem Tag stehe ich bombenfest in meinem Baum, an einem anderen ist es wackelig.

Jede Seite ist anders – ich bin links in der Hüfte viel offener als rechts.

Und jeder Körper ist anders – sowohl in Bezug auf Übung und Fortschritt als auch in Bezug auf die Anatomie.

Allein der Knochenbau erlaubt es manchen Menschen in manchen Asanas, eben weiter oder nicht so weit hineinzukommen.

Und wir alle haben aber wohl Bilder im Kopf – ob nun aus Magazinen oder von Instagram – von wunderschönen Körpern in wunderschön ausgerichteten Posen, vermutlich noch an wunderschöneren Stränden.

Ich kann es verstehen, wenn da Ehrgeiz aufkommt – der Ehrgeiz, den eigenen Körper auch so wunderschön hinzubiegen wie der Mensch im Yoga Journal, auf Instagram oder nebenan auf der Matte.


Aber mal im Ernst: Warum gehst du zum Yoga?

Neben Rückbildung beim Mamayoga, sportlichen Ansprüchen oder einer Art Geburtsvorbereitung beim Schwangerenyoga, wette ich, dass da irgendwo der Punkt Entspannung auftaucht oder Ruhe oder der Wunsch, etwas für dich zu tun?

Was nützt es dir dann, wenn du dich beispielsweise besonders weit in eine Hüftöffnung drückst, das dann toll aussieht, du aber total angespannt bist, weil es zieht und vielleicht sogar weh tut? Wenn du nicht loslassen kannst körperlich und dadurch auch nicht gedanklich und du vielleicht permanent denkst: hoffentlich ist es gleich vorbei....


Erlaube dir doch stattdessen mal, dein Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen und deine Beobachtung von deiner äußeren Hülle und wie diese deiner Mattennachbarin erscheinen mag, nach innen zu richten – dahin, wo dein Körper dir die Rückmeldung gibt, wie weit weit genug ist.

Erlaube dir, dich so einzurichten, dass es für dich richtig ist.

Ich weiß, dass das mitunter ein schwieriges Unterfangen ist. Manchmal ist die Frage wie fühle ich mich eigentlich gerade?gar nicht so leicht zu beantworten.

Aber, das ist eine Sache der Übung. Wenn du es zulässt, deinen Gedanken mal ein wenig Auszeit einzuräumen, dann wirst du immer mehr da ankommen, wo du deinen Körper spüren kannst. Wenn deine Gedanken nicht mehr ganz so laut durch deinen Kopf brüllen, kannst Du vielleicht immer öfter deinen Körper spüren. Und dann kannst Du Dir selbst erlauben, dieser Stimme nachzugehen.

Ganz achtsam, immer wieder neu hinhören und nachspüren.

Und dann, dann wirst du vielleicht mit einem völlig neuen Gefühl aus deiner Yogapraxis gehen. Probier’s doch mal aus, mach dir klar: Es geht nicht darum, eine bestimmte äußere Form zu erreichen.





In diesem Sinne: lass es dir gut gehen!

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