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Confessions Of Parents

Ich saß mit meiner Freundin beisammen, um uns herum turnten unsere Kleinsten, von gemeinsam insgesamt 6 Kindern.

Ihr Baby war müde und begann unleidlich zu werden. Zwischen stillen, das Kind in der Trage in den Schlaf schunkeln und dem Versuch eines Gesprächs zwischen uns sagte sie „wärst du nicht so süß, wärst du schon auf dem Müll“.

Wir kennen uns, wir waren unter uns und es war sowas von ok, dass sie das sagte.

Es war auch, selbstverständlich, nicht ernst gemeint.

Ich habe diesen Spruch einige Tage mit mir rumgetragen. So solo, außerhalb der Situation, ohne die Person zu kennen, ohne sie im Umgang mit ihren Kindern zu sehen, ohne die Stimmmelodie dazu gehört zu haben, so aufgeschrieben bzw. gelesen, kann ich mir vorstellen, dass das ganz schön hart wirkt.

Aber warum? Nehmen wir jetzt mal den Schrecken, der darin besteht, dass das natürlich wirklich passiert, dass Babys in Mülltonnen geworfen werden, mal raus. Betten wir das in einen psychisch gefestigten Kontext einer liebevollen Mutter, nehmen es als einen Spruch der einfach als solcher raus musste, ohne dass er wörtlich zu nehmen wäre.

Dennoch, das schätze ich, schrammt er hart am Tabu.

Und so bedachte ich ihn in verschiedene Richtungen und daraus entstand meine Idee zu #confessionsofparents.

Weil ich wusste: eigentlich „darf“ sie das nicht sagen. Mir schon, klar, einigen anderen sicher auch, aber sonst eigentlich eher nicht.

Schauen wir uns doch mal das Bild von Elternschaft an...ich musste auf feministischen Blogs etc. landen, um eine Alternative zu 24/7 happy happy, alles sauber, alles fein zu finden.

Es gibt das Bild davon, wie Elternschaft zu sein hat. Müde ok, das dürfen wir sein, aber wenn die lieben Kleinen am nächsten Morgen lächeln, ist alles vergessen. Mal ganz verwegen nen Kaffe alleine ohne Kids? – ooookaaaayyyy, aber dann bitte nur mit Riesen Kindsvermissung. Denn wir Mütter wollen doch eigentlich gar nicht ohne die kleinen Racker sein.

Am Arsch! Ich kenne Müdigkeit jenseits von Gut und Böse, mit Sprachfindungsstörungen, Sehstörungen und Kopfschmerzen aus der Hölle. Da ist nichts am nächsten Morgen durch ein Lächeln wieder gut.

Aber das soll nicht sein. Werbung, Medien – all das funktioniert mit diesem Bild von Mutterschaft – ewig lächelnd, angefüllt mit Mutterliebe und intellektuell ausgefüllt vom Windeln wechseln.

Und natürlich macht das was mit uns. Wenn wir etwas ständig sehen, dann festigt sich das im Unterbewusstsein und nicht nur das – unsere Mütter, Großmütter die haben ja schließlich auch alles geschafft und das auch noch, im Falle unserer Großmütter, ohne Waschvollautomaten und nach einem bzw. mitten im Krieg.

Und dann gibt es ja noch Frauen, deren Schwangerschaften nicht glücklich enden, oder bei denen sie gar nicht erst zustande kommen, Paare, denen Adoption verwehrt bleibt. Dankbarkeit ist also quasi unumgänglich und am besten sieht die eben aus, wenn sie ohne Kritik oder Müdigkeit daherkommt.

Aber so funktioniert es eben nicht. Auch Wunschkinder können uns Schlaf und Nerven rauben. Auch wenn wir mit vollstem Herzen und bewusster Entscheidung Mutter oder Vater geworden sind, heißt das nicht, dass wir plötzlich nicht mehr gern allein aufs Klo gehen oder auch überhaupt mal alleine und in Ruhe sein wollen.

Und wenn ich schreibe, dass es so nicht funktioniert, meine ich, dass es eben nicht nur in eine Richtung funktioniert. Es gibt nicht nur Wunschkind oder #regrettingmotherhood.

Und das alles darf nebeneinander existieren, in Phasen verlaufen oder mal vom einen Extrem zum anderen rutschen. Ich möchte, dass auch außerhalb von explizit feministischen Kreisen, in denen manch eine (und hier sind Männer mitgemeint) sich vielleicht nicht wohlfühlt, der Diskurs um Mutterschaft ohne romantisierte Klischees möglich ist. Ich möchte, dass er möglich ist, ohne dass ein „ich liebe mein Kind, aber...“ voran – oder ein „....aber ich liebe mein Kind trotzdem“ dahinter gesetzt wird.

Denn das legt nur wieder nahe, dass Kritik Liebe schmälern würde.

Ich möchte, dass es möglich wird, sich als Mutter, als Vater, frei von dem, was andere denken, wie es zu laufen hat, auszudrücken. Denn bitte – nur weil wir etwas nicht sagen, verschwindet es doch nicht.

Im Gegenteil, wahrscheinlich haben wir alle schon einmal die befreiende Kraft vom sich etwas von der Seele Reden erfahren. Haben wir alle schon erleichtert tief ausgeatmet, wenn wir endlich ein „das kenne ich“ gehört haben.

Haben in Solidarität Frieden gefunden und in Gemeinschaft Erleichterung.

Wer Romantik will, kann sich ja einen Disney-Film ansehen, aber lasst uns aufhören, Elternschaft zu romantisieren. Wir alle wissen voneinander, dass es so unfassbare, von Liebe strotzende Momente gibt. Dieses Bild ist etabliert und es muss nicht dekonstruiert werden, ich möchte nur, dass andere Bilder gleichberechtigt daneben stehen können.

Ich bin ja sonst nicht so Hippie unterwegs, aber hier schon – lasst uns die Hand reichen, um uns gegenseitig zu stützen und begleiten, lasst uns füreinander da sein, lasst uns den Schrecken von dem nehmen, was (auch) authentische Elternschaft ist.


Um zum Abschluss ganz Hippie zu bleiben:

Love, Peace and Harmony, Linda






Zum konkreten, praktischen Teil – auf meinem Instagram Account (@the.urban.nature) teile ich jeden Dienstag Abend die #confessionsofparents. Dazu kannst du mir deine Confession zusenden, entweder bei Instagram, per Email oder über das Kontaktformular, beides auf meiner Website. Ich veröffentliche alles anonym, außer mir weiß also niemand, von wem die geteilten Worte kommen.

Ich teile dir im Vorfeld mit, wann dein Text erscheint. Ich gehe immer der Reihe nach, je nach Zusendung.

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